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„Heute kommen viele mit einem ganzen Bündel an Themen!“

Carolin Zumstrull über die Arbeit der Fachstellen für Sucht und Suchtprävention im Landkreis Osnabrück

10 Jahre Diakonie Osnabrück Stadt und Land gGmbH – ein Jahrzehnt, in dem sich auch die tägliche Arbeit in den zahlreichen Beratungsstellen der Diakonie Osnabrück verändert hat. Was genau heute anders ist, welche Menschen uns aufsuchen und welche Rolle Künstliche Intelligenz (KI) heute in unseren Beratungsstellen spielt, erzählt Carolin Zumstrull, Leiterin der Fachstellen für Sucht und Suchtprävention im Landkreis Osnabrück im Interview.

Wie hat sich die Arbeit in den Beratungsstellen verändert? „In den letzten Jahren hat sich die Arbeit in den Beratungsstellen tatsächlich stark verändert – und das nicht nur in den Zahlen, sondern vor allem in den Themen und der Art der Probleme, mit denen die Menschen zu uns kommen.

Was die Problemlagen angeht, sind sie heute oft komplexer und vielschichtiger als noch vor zehn Jahren. Damals gab es vielleicht klarere Trennungen: Sucht hier, Beziehungskrisen dort, psychische Belastungen irgendwo anders. Heute kommen viele mit einem ganzen Bündel an Themen – Depressionen, Ängste, Suchtprobleme, Existenzsorgen, alles oft vermischt.

Wie hat sich der Beratungsbedarf verändert? „Besonders auffällig ist, dass Alkohol nach wie vor das Suchtmittel Nummer eins ist, das wir begleiten. Aber auch hier hat sich etwas verändert: Immer mehr jüngere Menschen suchen Hilfe, und das oft früher als früher. Wo früher vielleicht erst mit 40 oder 50 über ein Trinkproblem gesprochen wurde, kommen heute schon 20- oder 30-Jährige, die merken, dass sie die Kontrolle verlieren.

Zudem gehen die Krisen, mit denen die Menschen zu uns kommen, oft tiefer. Es geht nicht mehr nur um akute Probleme, sondern um das Gefühl, in einem System gefangen zu sein, das immer schneller und fordernder wird. Viele fühlen sich überfordert, ausgebrannt oder haben das Gefühl, nicht mehr mitzukommen. Gleichzeitig ist das Bewusstsein für psychische Gesundheit gestiegen – das ist positiv, aber es bedeutet auch, dass wir in den Beratungen heute oft mit Diagnosen wie Burnout, Trauma oder Persönlichkeitsstörungen konfrontiert sind, die vor Jahren vielleicht noch nicht so klar benannt wurden.“

Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz (KI) in den Beratungsstellen? „KI spielt vereinzelt eine Rolle: Manche Klient*innen kommen mit Selbstdiagnosen, die sie mithilfe von KI-Tools erstellt haben. KI wird auch genutzt, um sich vorab über mögliche Probleme zu informieren oder erste Reflexionen anzustoßen. Allerdings ersetzt die KI kein persönliches Beratungsgespräch. Vielmehr kann sie den Prozess unterstützen, indem sie Betroffene dazu anregt, sich bereits im Vorfeld mit ihrem Verhalten auseinanderzusetzen. Der menschliche Austausch bleibt dabei unverzichtbar.“

 

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